Inkontinenz

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Umgangssprachlich wird Inkontinenz als Blasenschwäche bezeichnet. Medizinisch wird die Krankheit als Harninkontinenz betrachtet. Nur alleine in Deutschland leiden fünf bis neun Millionen Menschen an der Krankheit, das sind in etwa zehn Prozent. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Krankheit, die bei Pflegefällen behandelt werden muss. Die Zahl der inkontinenten Menschen, nimmt mit der steigenden Lebenserwartung in Industrieländern immer mehr zu. Darum ist es wichtig, dass die Tabuisierung von Inkontinenz weiter abnimmt. Ein offenes Gespräch mit den Nächsten ist eine große Erleichterung für den Betroffenen. Mittlerweile steht eine Vielzahl von Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung, sodass es mehr Sicherheit für den Betroffenen bedeutet.

Inkontinenz
Bild: Inkontinenz

Aufbau des Harnsystems

Der Körper produziert über die Nieren, die als Kläranlage für das Blut dienen, fortlaufend Urin. Die Aufgabe der Blase ist es, diesen Urin in Zusammenarbeit mit der Harnröhre und den Blasenschließmuskeln, mehrere Stunden zu sammeln. Zur gegebenen Zeit wird das Wasser nach außen abgegeben, sodass der Körper entgiftet. Eine Blase ist genauso dehnbar wie ein Luftballon und kann bis zu einem Liter Urin fassen. Ist der Füllungszustand erreicht, steigt der Druck und die Blasenwand dehnt sich aus. Dort sitzen Rezeptoren, die über die Nervenbahnen am Rückenmark eine Botschaft ans Gehirn senden. Die Antwort lautet Harndrang. Normalerweise bleibt dann noch genügend Zeit, um die Toilette aufzusuchen und die Blase zu entleeren. Solange sendet das Gehirn hemmende Signale aus. Gesunde Menschen können den Harndrang, bei einem maximalen Level der Blase, noch bis zu fünf Minuten unterdrücken. Bei einer Blasenschwäche besteht darüber keine Kontrolle.

Wann ist die Rede von Inkontinenz?

Aufgrund von unzureichenden, körperlichen Fähigkeiten sind die Personen nicht mehr in der Lage den Urin oder auch Stuhl bei sich zu behalten beziehungsweise kontrolliert auszuscheiden.

Die Ärzte sprechen nicht von einer Inkontinenz, wenn der Patient lediglich häufig auf die Toilette muss. Die Krankheit ist nur zu diagnostizieren, wenn unkontrolliert Harn oder Stuhl austritt. Unter Umständen liegen die Probleme bei der mangelnden Kommunikationsfähigkeit. Das heißt, die Menschen tun sich schwer oder sind überhaupt nicht in der Lage die Bedürfnisse zu kommunizieren. Tipp: Bei einer Pflegestufe bietet die Kasse vierzig Euro für Pflegehilfsmittel an. Dazu gehören nützliche Hilfsmittel für den Alltag.

Verschiedene Formen der Inkontinenz

Die meisten Menschen reden bei Inkontinenz nur von einem unkontrollierten Verlust von Urin oder Stuhl. Dabei stehen unterschiedliche Formen zur Beschreibung an.

  • Belastungsinkontinenz oder Stressinkontinenz: bezieht sich auf die Harninkontinenz in anstrengenden Situationen. Der Grund kann in einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur liegen, sodass der Schließmuskel nicht richtig funktioniert. Das können Situationen wie Husten, Lachen oder Heben sein. Besonders betroffen sind übergewichtige Frauen oder Frauen nach einer Geburt.
  • Dranginkontinenz: Ganz plötzlich entsteht ein starker Harndrang. Dieses Gefühl kommt auf, obwohl die Blase nicht komplett gefüllt ist, es ist meistens zwanghaft. Diese Art der Inkontinenz trifft häufig Männer.
  • Mischinkontinenz: bestehend aus der Kombination der Drang- und Belastungsinkontinenz. Das zunehmende Alter ist häufig die Ursachen und es sind in der Regel Frauen betroffen.
  • Reflexinkontinenz: unkontrollierte Nervenreflexe oder Zuckungen führen zum Harnverlust, ohne das Bedürfnis zu verspüren, auf die Toilette zu müssen. Das Gehirn sendet keine oder falsche Signale, sodass der Impuls nie ankommt.
  • Überlaufinkontinenz: Dabei kann sich die Blase, aufgrund einer blockierten Harnröhre, nicht mehr vollständig entleeren. Der Patient verspürt einen ständigen Drang, Wasser zu lassen. Diese Inkontinenz trifft häufig Männer, wegen einer vergrößerten Prostata, welche auf die Harnröhre drückt.
  • Stuhlinkontinenz: Körperliche Einschränkungen machen es dem Menschen unmöglich den Stuhlgang zu kontrollieren. Das Bedürfnis wird verspürt, aber die Patienten kommen zu spät an Ort und Stelle an.

Was kann die Ursache für diese unschöne Krankheit sein?

Vielfältige Ursachen stellen Gründe einer Inkontinenz dar, darum ist die Ausprägung unterschiedlich. Als Erstes kann es eine Nebenwirkung einer anderen Krankheit beziehungsweise eines Medikaments sein. Einige Alzheimer-Medikamente, Betarezeptorenblocker bei Bluthochdruck oder wassertreibende Präparate dienen als medikamentöse Ursache. In diesem Fall ist es gut, mit dem behandelnden Arzt zu sprechen. Die zweite Möglichkeit besteht, dass Inkontinenz ein Symptom einer anderen Krankheit ist. Dabei spielen Krankheiten wie Blasensteine, Harnwegentzündungen, Harnröhrenverengungen, eine vergrößerte Prostata eine Rolle. Allerdings kann eine Inkontinenz im Rahmen von Multiple Sklerose, Parkinson, Alzheimer, Querschnittlähmung oder Schlaganfall auftreten, da die Nervenimpulse nicht mehr stark genug sind. Zusätzlich können Wechseljahre bei Frauen, durch die Veränderung im Hormonhaushalt, die Inkontinenz auslösen. Des Weiteren dient Diabetes als Ursache. Die genauen Zusammenhänge zwischen Diabetes mellites und Inkontinenz konnten allerdings noch nicht umfassend geklärt werden. Fakt ist, dass ein erhöhter Blutzucker die Nerven beeinflusst. Als letzte Erklärung, sagen Mediziner, könnte Übergewicht eine Blasenschwäche verursachen. Das zusätzliche Gewicht drückt auf den Bauchraum und somit auch auf die Blase. Das könnte ein Grund der Belastungsinkontinenz sein.

Stehen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung?

Eine Behandlung hängt von vielen Faktoren ab und eine allgemeingültige Therapie gibt es nicht. Die Medizin ist allerdings so weit, dass die meisten Beschwerden behoben oder stark reduziert werden können. Dabei gilt der Leitsatz: Je früher Maßnahmen eingeläutet werden, desto wahrscheinlicher ist eine Heilung oder ein guter Erfolg. Patienten sollten bei den ersten Anzeichen einer Inkontinenz auf jeden Fall einen Arzt konsultieren, der sich in dem Bereich auskennt. Zur Not steht dann ein Rezept für Inkontinenzmaterial bereit. Die Einlagen, Windeln für Erwachsene oder Vorlagen werden von unterschiedlichen Anbietern für Gesundheitsartikel verkauft. Unter Umständen hat die eigene Krankenkasse einen Vertragspartner.

Unterstützung für die Blase - ein starker Beckenboden

Die Beckenbodenmuskulatur ist oft nicht zu spüren und nicht zu sehen, aber sie spielt eine enorme Rolle im menschlichen Körper. Diese Muskulatur trägt die Blase und die anderen Organe im Bauchraum. Für eine korrekte Blasenfunktion ist die Beckenbodenmuskulatur unerlässlich, es ist der äußere Schließmuskel für die Blase. Im Innern befindet sich ebenfalls ein Schließmuskel, am Blasenhals, der sich nicht bewusst steuern lässt. Das Zusammenspiel hält das Speicherorgan dicht. Für die Entleerung schickt das Gehirn den Befehl des Zusammenziehens an die Blasenmuskulatur und an den Schließmuskel das Gegenteil, sich zu entspannen. Die Öffnung zur Harnröhre ist dann frei und der Urin kann fließen.

Vorsorge ist besser als Heilung

Die Risiken einer Blasenschwäche lassen sich durch einen gesunden und aktiven Lebensstil reduzieren. Oftmals hilft eine Umstellung auf einen gesunden und ausgewogenen Lebensstil, um der Inkontinenz vorzubeugen. Zum Beispiel kann ein chronischer Raucherhusten die Muskulatur der Blase schwächen. Ein guter Rat ist es, mit dem Rauchen aufzuhören. Für langfristige Maßnahme ist eine gesunde Lebensweise in Kombination mit Sport wichtig. Gute Sportarten sind zum Beispiel Joggen oder Walken, am besten plus Beckenbodengymnastik.


Letzte Änderung: 21.12.2019

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